Zehnthof Luckert Sulzfeld

 

Sulzfeld ist einer der romantischten Orte am Main. Wo es ja überall Romantik pur gibt.  Sulzfeld hat das Mittelalter in die Neuzeit hinüber gerettet. Es ist so eine Art kleines Rothenburg. Das kennt jeder. Sulzfeld kennt kaum jemand. Aber man sollte mal hinter die Stadtmauer gehen und die Straßen durchlaufen. So viel Zeit muss sein, wenn man sich schon am Main aufhält.

Hinter dem Ort erheben sich die Weinberge, die auch schon  Schauplatz großer Schlachten gewesen sind.

Die Cyriakus - Schlacht am 8. August 1266

Die Ursache: Das zwiespältige Domkapitel hatte einen Trimberg und einen Henneberg zu Bischöfen gewählt. Der Trimberg reiste nach Rom, um sich vom Papst bestätigen zu lassen. Der Henneberg versucht seinen Anspruch mit Waffengewalt in Würzburg durch zu setzen. Bistumsverweser, Domkapitel und die Bürgerschaft widersetzten sich dem Ansinnen.

Die Bündnisse: Castell war durch verwandtschaftliche Beziehungen mit Henneberg verbündet. Ein weiterer Bundesgenosse war ein bayrischer Ritter, Thannhäuser, der mit einem wohlgerüsteten Haufen dabei war. Das Bistum Würzburg wurde durch die Edlen von Hohenlohe unterstützt.

Das Schlachtfeld: Der Mühlberg, zwischen Kitzingen und Sulzfeld gelegen. Drei junge Grafen stürzten sich "Zuviel frech und begierig" auf die Würzburger. Henneberg griff zu spät in die Schlacht ein. Der Thannhäuser wurde von den Würzburgern mit Gold bestochen, versteckte sich im entscheidenden Moment und ging dann zu den Würzburgern über.

Am Ende blieben über 500 erschlagene Henneberger und Casteller auf dem Schlachtfeld, darunter die Casteller Grafen, bis auf einen.

Alles wegen Macht und Religion.

Luckert

Als ich das erste Mal mit dem Pkw in Sulzfeld eingefahren bin, um Weine bei Luckert zu kaufen, wurde ich zu einer örtlichen Orientierungstour gezwungen, weil die ohnehin schon schmale Zufahrt durch einen Lkw versperrt wurde. Ich war deswegen überhaupt nicht böse.

 

Schließlich standen wir mit unserem Kombi vor der Tür und wurden von der Mutter der Inhaber hereingebeten und gut versorgt. Ich erwähne das nur, weil es durchaus ein Lustgewinn ist, auf diese Weise beim Zehnthof  einzukaufen. Die Gemeinde Sulzfeld wird allerdings Fahrzeuge nicht allzu gern innerhalb ihrer historischen Mauern sehen wollen. Ein großer Parkplatz ist außerhalb der Mauern direkt am Main. Es ist aber nicht zumutbar, die Kisten dahin zu schleppen. Heutzutage fahren wir nicht mehr direkt zum Weingut, sondern kaufen Luckert-Weine bei  Lavinesse (Hartwig Fricke) in Düsseldorf oder von der Weinhalle in Nürnberg. Was auch den Vorteil hat, dass unser Kofferraum bei der Rückfahrt noch Platz für andere Landesprodukte hat. Man kann sich die Weine natürlich auch direkt schicken lassen. Aber Luckert ist bei den Frachtkosten nicht gerade entgegenkommend.

Die Weinhalle “ in Nürnberg hat auf ihrer Internetseite über Luckerts „einfachen“ Silvaner nachstehenden Text geschrieben:

"Luckerts vergären auch ihren »einfachen« Guts-Silvaner auf der wilden Hefe und reifen ihn im großen traditionellen Holzfaß bis in den Januar hinein auf der Vollhefe. Er ist das Herz ihres Betriebes, ihr wichtigster Wein. Da muß er was können, sonst macht er als Gutswein keinen Sinn. Tatsächlich gibt er sich spannend grünlich würzig, reintönig und expressiv im Rebsortencharakter. "

 

Es lohnt sich durchaus, mal einige Tage in Sulzfeld zu verweilen. Von dort kann man gut in die Weinberge steigen. Wir haben in einem sehr modernen, kleinen Hotel - Vinotel Augustin - gewohnt, es wäre auch uriger gegangen, z. B, im "Stern" ohne Abstrich an den Komfort. Auch die Gaststätten - im goldenen Löwen - alle mit fränkischer Urigkeit, sind empfehlenswert. Dann lernt man auch die Meterbratwurst kennen.  

 

 

Im Michelskeller

 

Heinz Elflein

11.12.2021