Knauf und Putin

Aus der Südeutschen Zeitung:

 

Die Baustoff-Dynastie Knauf gehört zu den größten deutschen Investoren in Russland und pflegte stets gute Beziehungen zu Wladimir Putin. Nun hat der einen Krieg angezettelt. Aber das Russland-Geschäft deswegen aufgeben? "Nein."

Ein Vierteljahrhundert beste Geschäfte in und mit Russland - solch ein Jubiläum will angemessen zelebriert sein. Also mietete die Firma Knauf Anfang Oktober 2018 für einen Abend das Moskauer Bolschoi-Theater und lud wichtige Menschen ein. Gerhard Schröder hielt eine Rede, und der russische Industrieminister Denis Manturow überreichte eine von Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew ausgestellte Urkunde an Nikolaus Knauf, den Vorsitzenden des Gesellschafterausschusses bei dem fränkischen Baustoffkonzern. Schließlich ist Knauf in den 25 Jahren zum Marktführer bei Gips-Baustoffen in Russland aufgestiegen. "In dieser historisch kurzen Zeit hat es das Unternehmen geschafft, dass praktisch auf allen Baustellen in Russland Baustoffe von Knauf verwendet werden", sagte der Minister. Und Nikolaus Knauf bezeichnete die Entscheidung, nach Russland zu kommen, im Rückblick als "absolut richtig".

Die Knaufs gehören zu den reichsten Familien Deutschlands und zu den größten deutschen Investoren in Russland. Für ihren Konzern mit Sitz im Weindorf Iphofen bei Würzburg arbeiten 40 000 Menschen, die zuletzt 12,5 Milliarden Euro Umsatz erwirtschafteten. In vielen Baustoff-Sparten ist das Unternehmen, das selbst Milliardeninvestitionen aus Rücklagen finanziert, Weltmarktführer. In Russland gibt es viele deutsche Investoren, aber keinem werden ähnlich enge geschäftliche und persönliche Beziehungen bis in den Kreml hinein nachgesagt wie den Knaufs. Auch zu Wladimir Putin persönlich, den Nikolaus Knauf, 85, und sein Cousin Baldwin, 82, bereits aus seiner Zeit in der Kommunalverwaltung von St. Petersburg kennen.

 

Weiter: 

 

https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/knauf-russland-putin-1.5538851?ieditorial=1 

 

Ich überlege jetzt, ob ich auch das Bolschoi-Theater anmieten und wichtige Personen einladen soll. Mache ich aber nur, wenn Wladimir auch kommt. 

 

Heinz Elflein

02.03.2022

 

Um nicht missverstanden zu werden, es gibt eigentlich keinen Grund, der Firma Knauf ihr Verhalten wegen der russischen Kontakte vorhalten zu wollen. Eigentlich. Ist ja alles Kommerz und daran ist nichts auszusetzen. Ob aber die Veranstaltung im Bolschoi-Theater, die ja zeitlich nach der Okkupation der Krim stattgefunden hat, moralisch sauber ist, darf bezweifelt werden. Ich denke, da hat es schon an Feinfühligkeit gefehlt. Bleibt abzuwarten, wie es mit der Beziehung Knauf/Rußland weiter geht.

 

Darüber hinaus muss ich zugeben, auf Knauf nach der Aischquellen-Entwässerung, an der sie die Schuld tragen, nicht gut zu sprechen zu sein. Einen diesbezüglichen Brief von mir hat die Firma nicht beantwortet. Muss man ja auch nicht, wenn da ein armes Würstchen an einen Milllliardär schreibt. 

 

Noch was Witziges: Der zuständige Redakteur der SZ verlegt Iphofen in die Nähe von Würzburg. Vielleicht, weil er seine Leser für geografisch unbedarft hält. Ich habe nun beschlossen, dass er den Weg von Iphofen nach Würzburg zu Fuß gehen muss. Erinnert mich an die Frage einer Dame in Florida: "Liegt Düsseldorf in der Nähe von Moskau?" Ich habe das damals bejaht, weil ja alles relativ ist.