Tartufo-Bratwurst

Die Bratwurst-Sensation aus Nürnberg.

 

Wobei ich voller Achtung Nürnberg ausnahmsweise nicht als Nemberch tituliere, wie es ansonsten meine respektlose, mundartliche Gewohnheit ist.

Metzger Gerhard Meyer und ich haben uns quasi vor vielen Jahren einmal verbündet, als es um die Entlarvung eines Bratwurstfälschers aus einem Vorort von Ferth in Franggn (hoheitlich Fürth in Bayern) ging, der Geschmacksverstärker in seine Woscht aus altem Schweinefleisch gemischt hat. Er als Innungsmeister, ich als Bratwurstschmecker. Aufgedeckt von Michael Löffler in Neuss. Aber das ist eine Geschichte aus dem alten Jahrtausend und ich habe schon mehrfach darüber berichtet.

 

Eigentlich schreibe ich seitdem eine Email und bestelle ein Paket mit frischer fränkischer Bratwurst, Gehäck und Gelbwurst, wenn ich nicht zufälligerweise am Kirchenweg in Nürnberg bin, was wir leider nur einmal geschafft haben. Uneigentlich habe ich diesmal den Internetshop aufgesucht und daraus bestellt. Was sich nun als Anlass herausstellt, diesen Beitrag für meine Frankenschau zu erstellen.

 

Ich hatte zwei Bratwurstexoten mit geordert. Einmal mit Bärlauch, einmal mit Trüffel. Bei der Wurst mit Bärlauch konnte mein Gaumen keinen wesentlichen Unterschied zur Wurst mit Majoran konstatieren. Da muss ich Gerhard Meyer fragen, vielleicht war auch Majoran drin.

 

Als wir heute am 1. Mai die Wurst mit Trüffeln aus der Pfanne auf den Teller legten, kam für uns die Bratwurst-Geschmacks-Sensation des neuen Jahrtausends. Das sprengt nun meines Erachtens alle Bratwurst-Traditionen. Im positiven Sinn und wenn ich jetzt leicht euphorisch werde, finde ich es berechtigt. Die Wurst und die Trüffel passen zusammen wie ein Franke, der eine Italienerin aus Alba küsst. Was vorkommen soll.

Dazu machten wir die gesamtfränkische Komponente perfekt. Zur Wurst aus der verhinderten mittelfränkischen Hauptstadt das Edelherb-Pils aus Kulmbach in Oberfranken, den darauf folgenden Silvaner aus Sulzfeld in Unterfranken. Wobei wir nun eigenmächtig Alba aus dem Piemont umbenennen und zu Südfranken aufwerten möchten. Oberbayern wird das ertragen. Gerhard Meyer wird mir hoffentlich sagen, wo er die Trüffel herhat. Schließe da die finsteren Eichenwälder der Frankenhöhe bei Markt Erlbach nicht aus.

Wenn sich nun der Silvaner vom Sulzbacher Zehnthof Luckert im Mund mit der Trüffelwurst verbündet, ist das schon ein Hochgenuss, die Geschmacksnerven waren sehr angetan.

 

Zuletzt möchte ich noch eine kleine Anekdote aus unserer ersten Trüffelschmeckerreise nach Asti erwähnen. Nachdem wir das Trüffelmenü genossen hatten, kam die Wirtin extra aus der Küche, um dem potent wirkenden Gast aus Tedesco mitzuteilen, dass die Tartufo eine ganz besondere Wirkung entfalten würden, die auch die mit anwesende Dame sicher zu schätzen wisse. Wir haben das verwundert, gebauchpinselt  und amüsiert zur Kenntnis genommen, geben aber keine Auskunft, ob sich dieser Hinweis an diesem Abend bewahrheitet hat.

Wenn sich nun nach dem Lesen dieses Beitrags durch die Masse meiner geschätzten und sachkundigen Leser meiner Frankenseite der Umsatz bei Gerhard Meyer für Trüffelbratwürste sprunghaft erhöht, ist das sicher nicht darauf zurückzuführen.

 

Heinz Elflein

01.05.2022

Michael Löffler, unser Metzgerspezi aus Neuss am Rhein hat nun leider meine Euphorie beendet oder mir einen Zahn gezogen. Ganz wie man es nennen will. Es können unmöglich echte Trüffel in der Bratwurst sein, schon gar nicht die weißen. Das wäre kostenmäßig nicht machbar. Obwohl, schwarze Trüffel schließe ich nicht aus, sieht auch auf dem Bild so aus.  Ich hoffe, Gerhard Meyer klärt auf.

Heinz Elflein

06.05.2022

 

Die Antwort:

Hallo Herr Elflein,

 

Ich musste eben auch erst bei meinem Lieferanten nachfragen. 

Das sind sogenannte Chinatrüffel. 

Abschnitte aus der Trüffelverarbeitung, gewürfelt.

Herkunft ist China. 

 

Ihr Bekannter hat insofern recht, dass wir keine ganzen schwarzen Trüffel hier verwenden können. Das würde den Rahmen sprengen. 

Freundliche Grüße 

 

Georg Meyer

 

Aus dem Internet:

 

https://www.foodhunter.de/vorsicht-beim-trueffelkauf/

 

https://www.welt.de/lifestyle/article10608309/Der-fiese-Betrug-mit-den-wertlosen-Chinatrueffeln.html

 

https://www.trueffelhang.at/2020/06/04/himalaya-tr%C3%BCffel-chinesischer-tr%C3%BCffel-alle-fakten-%C3%BCber-diese-tr%C3%BCffelart/

 

Mach damit was Du willst, sie schmecken dezent nach nix; also egal ob Du sie einlegst oder über Nudeln hobelst oder Trüffelbutter draus machst, wenn Du ein wenig Trüffelanmutung reinbekommen willst, dann kauf Dir ein wirklich ordentliches Trüffelöl und benutze es zusammen mit den Trüffeln.

 

Stimme zu - die Dinger schmecken wirklich nach nichts und deshalb kannst Du mit machen was Du willst. Am ehesten kannst Du sie noch über eine Pasta mit Butter und Parmesan hobeln - das schmeckt dann lecker nach Butter und Parmesan und sieht hübsch nach Trüffel aus. 
Tut mir leid - mehr is nich

 

Mein vorläufiger Schlusskommentar:

So einfach möchte ich das Thema aber nicht abhaken, denn Meyers Bratwürste haben deutlich nach Trüffel geschmeckt. Allein die China-Dinger können es nicht gewesen sein. Bleibt nur noch, doch Trüffelöl hinzuzumengen. Aber das kriege ich auch noch raus.

 

Heinz Elflein

24.05.2022

Metzger Meyer:

Also in der Packung sind tatsächlich 50% französischer schwarzer Trüffel und 50% Chinatrüffel.
Daher der erhöhte Preis und der gute Geschmack.
Wenn ich hier jedoch ausschließlich den s Gesten Trüffel verwenden würde, kämen wir auf 13€ pro Bratwurst!
Daher werde ich jetzt meine Zutatenliste demenstsprechend anpassen.

Danke für den regen Austausch!