Fasching in Franken

Die Übertragung aus Veitshöchheim schaue ich mir immer wieder gerne an. Finde, es ist die beste karnevalistische Sendung in Deutschland. Höchstens Mainz kommt da nahe heran. Köln und Düsseldorf überhaupt nicht. Habe keine Lust, mir etwas anzusehen, wo die Jungfrau ein Mann ist und will nicht die Aneinanderreihung von Witzen mit Bart über mich ergehen lassen.  Das sage ich nicht, weil ich selbst ein Franke bin. Auch Blödsinn hat gefälligst intelligent zu sein.

 

Als wir vor langer Zeit mal Urlaub in Veitshöchheim gemacht und mit unseren Freunden viel Domina am Mainufer getrunken haben, wurde es auch sehr lustig. Da kam die Idee bei uns auf, wie es wäre, wenn wir mal selbst dabei sein könnten. Ist tatsächlich möglich, aber nur bei der Generalprobe. Weil wir keine Statisten darstellen wollen, haben wir darauf verzichtet. Kann aber auch verstehen, dass uns das Bayerische Fernsehen nicht in einem Saal mit der Politprominenz haben wollte, das hätte fei wergli nicht gepasst.

Zur Hauptsendung darf nur Prominenz, wobei nicht immer ganz klar ist, weswegen die Leute auf den vermutlich billigen Plätzen ganz hinten prominent sein sollen. Nun, die Veitshöchheimer werden wissen, wem sie was verdanken.

Leserbrief aus der FAZ:

 

Rosemarie Morweiser 

  • 24.02.2019 - 23:02

"Richtig ist, dass die Vorträge gut waren, da gehen die Meinungen fast nicht auseinander. Genauso richtig ist aber, der Regisseur oder wer auch immer, hat eine Wahlkampfveranstaltung daraus gemacht.
Bilder vom Publikum kaum zu sehen, aber bei 8 von 10 Einblendungen waren nur Politiker zu sehen, und immer nur die gleichen. Eine gut gemachte grüne Avatarin ist nach der dreißigsten Einblendung nur noch lästig und nervtötend "

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Frau Pauli war auch mal da. Es war 2007, als sie noch gegen Beckstein angetreten ist. Ihre politische Laufbahn ging aber bergab. Zwischenzeitlich war sie Piratin in Sylt. Ohne eine Verkleidung. Das war es dann. Manchmal ist es wirklich bedauerlich, dass Politik kein Schönheitswettbewerb ist.

Gut gefallen hat uns auch immer Oti Schmelzer, der Winzer aus Oberschwappach im  Steigerwald. Siehe Humor

Oder bei Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=yvYo0bg27g0

So haben wir vor dem Bildschirm das blaue Kleid von Frau Stamm gesehen und den Kult, den die Karlstädter daraus gemacht haben. War schon feinste Unterhaltung. Ist leider vorbei, der Zahn der Zeit hat erfolgreich genagt. Sehr gut die unverschämten Oberpfälzer von der  Altneihauser Feuerwehrkapelle. Kostprobe:

" Die CSU regiert in manchem Nest, in Bayern ja schon seit der Pest. Und in der Oberpfalz ist nicht

ganz klar, ob die Pest nicht besser war. ” 

Dann wären da noch die beiden Dauerputzfrauen aus Fürth, Heissmann und Rassau, deren Beiträge nicht so blöd sind, wie sich Heißmann gerne gibt. Wenn die ständigen, unsäglichen Frauenkleider nicht wären. Näher will ich mich dazu nicht äußern, könnte mistverstanden werden in der heutigen Genderwelt.

 

So sind die Minister der Bayerischen Staatsregierung gekommen und gegangen. Wenn sie in Veitshöchheim nicht mehr dabei waren, waren sie auch nicht mehr in Amt und Würden. So ist der Fasching dort ein richtiges Politbarometer. Weil ich zugegebenermaßen manchmal etwas gemein bin, habe ich mich schon bei dem Einen oder Anderen gefreut, dass die sich nicht mehr im TV produzieren durften, wenn sie da auch nur ein Glas Wein in der Hand hatten und nicht gemeingefährlich werden konnten. Zum Beispiel bei einem gewissen Justizminister aus Unterfranken. Da war es aber keine Gehässigkeit, sondern nur ein tief empfundenes Gerechtigkeitsgefühl, weil Söder ihn abgesäbelt hat. Manchmal macht Söder auch gute Sachen. Gehört nicht hier hin, aber man kann mich fragen. Weil Justizminister in Franken sowieso keinen Arsch in der Hose haben dürfen, aber gerne zulassen, wenn Leute unbegründeterweise von unterfränkischen Staatsanwalts-Verbrechern ins Irrenhaus verfrachtet werden, ist auch eine weibliche Vorgängerin nicht mehr dabei. Das soll jetzt aber nicht sexistisch sein. Höchstens a bisserla. Nur, die Wirklichkeit mutet in Bayern manchmal etwas karnevalistisch an, ist aber weitaus schlimmer.

 

All die Jahre hatte Dr.jur. Markus Thomas Theodor Söder sehr fantasiereiche Kostüme an. Als Double von Marilyn Monroe war er sehr ansprechend, fast zum Verlieben. Prinzregent Luitpold von Bayern, Zauberer Gandalf, Fabelwesen Shrek, Märchenkönig Ludwig der II oder Mahatma Ghandi. Hierfür bekommt er von mir den virtuellen Orden "Größter Narr von Franggn".

 

Zuletzt ist Herr Söder im Anzug gekommen, weil er als Bayerischer Ministerpräsident seriös sein muss. Oder zumindest den Anschein erwecken möchte. Er hat sich auch genau überlegt, wann der lachen darf und nur die Mundwinkel bedeutungsvoll verziehen sollte. Wenn es um Laschet ging, hat er nicht gelacht, wergli staatsmännisch.

 

 

Innenminister Hermann kommt immer als Cowboy. Will damit nur dokumentieren,  oberster Polizeichef von Bayern zu sein. Mehr hat er nicht zu sagen. Als alle Welt dachte, er würde Söder das Amt des Bayerischen Ministerpräsidenten streitig machen wollen, hat er gekniffen. Macht ja nichts, Oberpolizisten müssen nicht stark sein. Dafür haben sie ihre Leute.

 

 

All die Jahre waren auch die führenden Politiker der bayerischen SPD anwesend. Mehr als anwesend sein, geht dort nicht.  Man kann nur versuchen, sich etwas bekannter zu machen, als es die SPD im politischen Alltag in Bayern bisher geschafft hat.

                                                                       SPD-Musketiere

 

Eigentlich hätte ich mir gewünscht, dass auch mal fraktionslose Abgeordnete aus Franken nach Veitshöchheim eingeladen worden wären. Wegen der echten Würze ihrer Worte. Das hat sich das Faschingskomitee aber nicht getraut. So schaue ich mir halt die Videos vom Bayerischen Landtag an, ist manchmal der bessere Fasching.

 

Ich wünsche den Veitshöchheimer Narren weiterhin viel Erfolg. Mögen Sie ihre Qualität behalten und vielleicht sollten sie etwas weniger auf Polit-Prominenz setzen. Wie schon Frau Morweiser schrieb: Es nervt manchmal.

 

Heinz Elflein

20.02.2022

Über die Beiträge von Peter Kuhn freue ich mich immer ganz besonders, weil sie von hoher Intellektualität sind.

Nur, bei einer Passage habe ich mir gedacht, was redet er da. Man soll zwar Narrenreden nicht so ernst nehmen, aber besonders bei Peter Kuhn steckt ja immer ein Bezug dahinter, der begründet ist.

 

„Wir bekamen dann noch überall zusätzlich noch Schädlingsbefall und die Schädlingsbekämpfung dieser Tage wird immer mehr zur Grundsatzfrage. Ob man denn einfach wirkungsvoll, die ganzen Pflanzen spritzen soll. Aber wenns Mittel gibt, die wirklich nützen, warum soll man dann gar nicht spritzen. Besser künstlich einen Schutz erworben, als natürlich dran gestorben!“

 

Ich habe dies zum Anlass genommen, ihm zu schreiben. Auszug:

 

Das war leider eine sehr einseitige Betrachtung und das närrische Volk einschließlich Frau Stamm hat darüber gelacht. Mir hat es etwas die Freude an Ihrem weiteren Vortrag verdorben.

 

Man kann natürlich von einem Narren keinen ausgewogenen Beitrag im Fasching erwarten. Ich möchte mir trotzdem erlauben, Sie etwas näher an das Thema heranzuführen, weil ich unterstelle, dass Sie sich nicht ausreichend damit befasst haben. 

Es betrifft die Nebenwirkungen, die niemand haben möchte.

Denken Sie an das Bienensterben, auch in Franken (Aischgrund, 50%) oder an die begründete Vermutung, dass z.B. Glyphosat krebserregend ist, weswegen Bayer etliche Milliarden Entschädigung zahlen muss. Auf alle Fälle – und das ist erwiesen – bringt das Mittel Kleinlebewesen im Boden um. Würmer verkümmern.

 

Peter Kuhn hat geantwortet (Auszug)

Lassen Sie mich aber auch bitte mein leichtes Befremden ausdrücken, wenn nur eine Passage in meiner Büttenrede genügt, dass Ihnen gleich die ganze Freude an meinem Vortrag verdorben wird. Sie bemühen sich dann sehr, mich etwas näher an das Thema heranzuführen, mir aus meinem Informationsdefizit herauszuhelfen und mir die Nachteile und Nebenwirkungen von Pflanzenschutzmitteln (speziell Glyphosat) darzulegen, wahrscheinlich damit ich in Zukunft solche einfältigen Sätze nicht wiederholen möge. Aber um Glyphosat ging es in meinem Vortrag überhaupt nicht! Es ging ums Impfen, um den Gleichklang zwischen "spritzen" und "Spritzen" als Wortspiel zu benutzen.

 

Und wieder von mir (Auszug):

 

Auch wenn Sie Glyphosat nicht besonders erwähnen, schließen Ihre Sätze aber bei gutem Verstand und auch nach meinem Verstand Umweltgifte ein, die man spritzt oder anderweitig ausbringt. Ich habe mir auch die Reaktion der Politiker im Saal sehr genau angesehen. Es war keiner dabei, der nicht gelacht hat. Sie sind alle in meiner Achtung ein gehöriges Maß gesunken. Auch Frau Stamm, von der ich bisher viel gehalten habe. Die Vertreter der grünen Partei sah ich entlarvt. Kann von dieser Haltung nicht abgehen, weil ich nicht nachvollziehen kann, dass jemand tatsächlich daran glaubt, dass Gift der Umwelt und uns allen mehr gibt, als es uns nimmt.

 

Und Peter Kuhn (Auszug):

 

seine Sie mir nicht böse, aber Glyphosat spielte in meinem Vortrag keine Rolle. Auch die Zuschauer - und sogar die anwesenden Politiker haben das verstanden und sich aus ganz anderen Gründen amüsiert und gelacht. Wenn all diese Personen nun in Ihrer Achtung sinken, weil diese nicht so denken, wie Sie gedacht haben - zumal das, was Sie gedacht haben, ja gar keine Rolle gespielt hat, dann haben Sie die Sache nicht verstanden! Noch einmal: Glyphosat war nicht das Thema.

 

Quintessenz:

 

Stimmt, Glyphosat war nicht das Thema. Nur Mittel, die wirklich nützen und warum man die ganzen Pflanzen nicht  spritzen soll. 

 

Freut mich nun außerordentlich, wenn Peter Kuhn Glyphosat nicht damit gemeint hat. Habe ich ihn doch in meiner Einfalt total falsch interpretiert. Von "Impfen" hat er aber nichts gesagt. Vielleicht klärt er mich eines Tages auf, was er nun wirklich damit gemeint hat, an welche Mittel er gedacht hat und wie man diesen Humor verstehen muss.

 

Heinz Elflein

03.03.2022

Peter Kuhn als Gärtner