Karpfen

Karpfen fange ich da, wo man sie auch gerne isst. Im Herbst gibt es im Aischgrund die Karpfenschmeckerwochen. Verzehrt werden die hochrückigen Aischgründer Karpfen, manchmal sind auch Wildkarpfen dabei. Anglermäßig sind das meine ganz besonderen Freunde, weil sie wirkllich archaisch wild sind. Die Aischgründer sind eine Zucht der Mönche. Den hohen Bauch müssen sie haben, um den Teller zu füllen. Schuppen haben sie keine, weswegen man sie auch Spiegelkarpfen nennt. 

Im Aischgrund - vornehmlich Landkreis Neustadt/Aisch- Bad Windsheim - gibt es hunderte Zuchtteiche, die einmal im Jahr abgefischt werden. Die Gaststätten sind dann voll mit Leuten, die Gräten zuseln. Inzwischen gibt es Karpfen auch "grätenfrei" , weil es Maschinen gibt, die das Filet derartig häckseln können, dass die Gräten bis zur Unkenntlichkeit verkleinert. Frau Silke Städtler aus Külsheim hat mir gesagt, wie man das mit einem Messer auch selber machen kann. 

Rezepte, den Karpfen zuzubereiten, gibt es viele. Meist macht man ihn blau oder gebacken. Das Bild zeigt einen gebackenen Karpfen. Traditionell isst man den Karpfen in den Monaten mit "R". Das ist aber heutzutage nicht mehr nötig, weil es keine Probleme mit der Kühlung mehr gibt. Aber Tradition ist halt Tradition. 

Wie ich den Karpfen gefangen habe und wie wir ihn zuhause verzehren, habe ich hier beschrieben:

 

Karpfenkloesschen 

 

Als Mitglied des Fischereivereines habe ich mehrere Möglichkeiten, auf Karpfen anzusitzen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn Sie mal jemand sehen, der wild die Rute hin und her schwenkt und am Gewässer entlang strolcht, will der keine Karpfen fangen. 

Man braucht Ruhe und Besinnlichkeit für den Karpfenfang. Gerne sitze ich an der Aisch, aber meist am Oberntiefer Weiher.

Ansitz am Oberntiefer Weiher. 

 

Für den kulinarischen Aspekt wünsche ich mir Spiegelkarpfen. Will ich einen harten Kampf, sollte es ein Schuppenkarpfen sein. Man kann es sich aber nicht aussuchen, welcher gerade anbeißt. Wenn überhaupt. Hier unten ein Vergleich. Beide gefangen, wo die Rannach in die Aisch mündet.

Als seinerzeit die Mönche durch Selektion den Schuppenkarpfen zum Spiegelkarpfen umgezüchtet haben, hatten sie ausschließlich den kulinarischen Aspekt im Sinn. Mönche und Bevölkerung mussten etwas zu essen haben im Aischgrund, wo es ja außer Karpfen kaum Fische gab. Die beiden Kameraden oben habe ich an einem Nachmittag im Oktober 2016 an der Aisch gefangen, wo die Rannach mündet. Wobei ich bei dem wild kämpfenden Schuppenkarpfen wesentlich länger gebraucht habe, ihm den Kescher unterzuschieben und ich mir bis zuletzt nicht sicher war, dass er nicht abreißen würde.

Ich habe darüber sinniert, ob ich in einem der vorigen Jahrhunderte nicht auch gern Mönch gewesen wäre. Auch wegen dem Bierbrauen. Dem stand allerdings das Zölibat gegenüber. Wie Mönche das praktikabel gelöst haben, findet man heraus, wenn man sich das Gelände um Kloster Schwarzach oberhalb von Scheinfeld ansieht.