Bachforellen

Gastronomen, Täuscher,  Gourmets, Wilderer und Sportfischer

Die rotgepunkteten Bachforellen begleiten mich nun schon zwei Jahrzehnte. Wer den Unterschied zu Regenbogenforellen nicht kennt, braucht etwas Nachhilfe.

Aufmerksam geworden bin ich vor langer, langer Zeit und die Akteure sind längst verstorben. Als ein Restaurantbetreiber am Marktplatz von Freiburg im Breisgau darauf hinwies, dass es bei ihm die Bachforelle nur "blau" gäbe und der sich reichlich darüber echauffierte, dass es tatsächlich Köche gäbe, die die Bachforelle anders zubereiten. Dann hörte ich von einem Hotelier in Lenzkirch im Schwarzwald, der die ziemlich elitäre Fischerei auf Bachforellen betrieb und die Regenbogenforelle ablehnte.

In dieser Betrachtung kam ich ihm nahe, als ich allmählich Bachforellenkenner wurde. Allein aus kulinarischen Gründen. Wenn auch nicht ganz, weil man den Regenbogner auch geschmackvoll zubereiten kann.

 

Man muss wissen, dass die Bachforelle die "deutsche" Forelle ist und die Regenbogenforelle ein Import aus Kanada. Letztere hat die Bachforelle im Laufe der Zeit vertrieben, weil sie schneller abwächst und somit mehr Profit ermöglicht. Die Bachforelle ist hingegen Favorit des Feinschmeckers. Man wird ihr nur nicht so leicht habhaft. Im Restaurant nicht und am Wasser nicht. Davon kann ich hier ein Lied singen. Sogar an der Wiesent in Oberfranken, inmitten eines Reviers für Fliegenfischer, hatte ich die Regenbogenforelle am Haken. Auch eine einzige Bachforelle, die mir 2013 die größte anglerische Niederlage meines Lebens verpasst hat und ich mich deswegen noch heute schäme. Als ich mich mit dem Besitzer des Hotel-Restaurants Ochsen in Lenzkirch, Herrn Stehle, unterhielt, meinte er, wenn das Futter gleich wäre, würden Regenbogenforellen und Bachforellen gleich schmecken. Mag sein, wenn sie beide aus der gleichen Zucht kommen. Wird zwar nicht praktiziert, wäre aber einen Versuch wert. Nur, Bachforellen aus der Zucht sind zweite Wahl, nicht das, was Gourmets und Sportfischer wollen. Die Bachforelle hat im Bach zu schwimmen, bevor man sie entnimmt. Alles andere ist leider Massenware, wie man es von der Regenbogenforelle gewohnt ist. Und Forellen aus dem Zuchtteich haben oft den Geschmack der Kloake, weil der Kot nicht abläuft.

 

So ab 2010 war ich bachforellenmäßig in Bayern, Österreich, im Schwarzwald und in der Eifel unterwegs, weil mich die Kombination von Sportfischer und Feinschmecker in mir sensibilisiert und getrieben hat. Begonnen hat dies eigentlich schon etliche Zeit zuvor, als man uns im Kurpark von Bad Neuenahr eine Regenbogenforelle als Bachforelle unterjubeln wollte. Ich hatte damals schon die Sportfischerprüfung und habe den Frevel bemerkt. In Bühl in Baden ging das weiter. Erneut so ein untauglicher, etwas dreister Versuch. Wobei ich heute noch nicht weiß, ob es nur Dämlichkeit des Küchenpersonals war.  Der Restaurantinhaber fühlte sich jedenfalls ertappt.

Es gibt Gastronomen, die ihre Gäste mit "Bachforelle" auf der Speisekarte gerne täuschen.  Weil sie sie für prinzipiell unwissend halten, der Gast es sowieso meist nicht merkt und weil es sich marketingmäßig  einfach besser macht. Klingt nach Natur und intakter Umwelt. Und kann es nicht sein, dass eine Regenbogenforelle nicht auch im Bach geschwommen ist? Wo ist also das Problem, Herr Gast? 

Das Problem, Herr Wirt, ist ganz einfach, dass Sie ein Betrüger sind und wer an einer Stelle bescheißt, tut es auch an einer anderen.

 

Nach all den seltsamen Erlebnissen mit  Bachforellenschwindlern wollte ich nun wirklich eine echte Rotgepunktete auf dem Teller haben. Und Sie, geneigter Leser, achten Sie auf die roten Punkte, wenn Sie mal den Vorzug haben, eine Bachforelle bestellen zu können. Muss schon ein ganz besonderes Restaurant sein.

 

Unsere Fahrt ging nach dem Täuschungsversuch in Bühl zunächst nach Baden-Baden in den Forellenhof. Dort war seinerzeit ein russischer Gastronom mit dem deutschen Namen Baumann, von dem heute niemand mehr weiß, wo er abgeblieben ist. Die servierten Rotgepunkteten waren Bachsaiblinge und schmeckten sehr gut. Wir wollten zwar Bachforellen, aber Bachsaiblinge sind auch sehr schmackhaft.

Oberpfalz

Da kam mir eine Annonce aus der Oberpfalz vor Augen, die sich jedoch vor Ort als großspurige Fehlanzeige herausstellte. Aber die Oberpfalz hat  ja die Lauterach. Sie entspringt in Lauterhofen in der Fränkischen Alb, durchfließt den Oberpfälzer Jura in östlicher bis südöstlicher Richtung und mündet in die Vils. Die fließt weiter in die Naab und diese bei Regensburg in die Donau.  Die Lauterach ist voll von Bachforellen, weil dort das Verbot von Regenbogenforellen entsprechend dem Fischereigesetz tatsächlich befolgt wird. Im Gasthaus Schweppermann in Kastl hatte die Wirtin Bachforellen, die ihr Mann in einem Teich hältert. Zwei davon fanden nun wirklich den Weg auf unsere Teller. Lecker geräuchert.

Touristisch waren die Tage in der Oberpfalz richtig beschaulich. Ich wollte aber die Bachforelle aus dem Bach auf den Teller, verdammt noch mal.

Wachau und Waldviertel

 

Weiter ging es erstmal mit einem ganz normalen Urlaub an der Donau. Wo mich das Thema unvermuteter Weise wieder einholte.  Bei der Donauwirtin, Frau Maria Rosenberger in Weißenkirchen, stand die Bachforelle auf der Karte. Was mich misstrauischen, forellenbetrogenen Zeitgenossen direkt zur Nachfrage bewegte. Die Bachforellen kämen aus einer Zucht im Waldviertel. Fischzucht Bründl ,Thomas Muschl, A­3524 Großreinprechts.

Da gab es für mich kein Halten mehr. Wir fuhren durch das wunderschöne Waldviertel hin und nahmen uns Forellen mit. Der Chefkoch unseres Quartiers Josef Jamek, Joching (JJJ),  Herr Herbert König, hat sie uns am 9.7.2012 zubereitet. Mit Kräutern, Knoblauchbutter und Mandelbutter. Eine kulinarische Fischoffenbarung. Dazu tranken wir einen 2011 RIEDKLAUS Riesling vom Weingut. „Unsere Spitzenlage in Weißenkirchen, auf steilen Steinterrassen mit Urgesteinsboden, wahrscheinlich der markanteste Weinberg an der Donau“. Ich kann es vorwegnehmen, besser haben wir die Forellen nie gegessen.

 

Wiesent I

Die Fischereirechte an der Wiesent sind überwiegend in privater Hand. Von Muggendorf aus lassen der Goldene Stern und die
Pension Eberhard ihre Gäste ans Wasser. Ein Schäfer an der Aufseß, den wir trafen, als ich ein paar Fotos
schoss, erzählte uns von der überragenden Kompetenz von Adele aus Muggendorf. Die Dame sei schon etwas betagt, aber
sie freue sich jedes Mal, wenn „Ihre“ Fischer wieder da seien.

Ich also hin zu Frau Adele Würffel ins Hotel-Café Eberhard. Der Charme der fünfziger Jahre empfing mich und eine sehr freundliche
alte Dame. Sie weiß wirklich alles über die Fische in der Wiesent. Die Fischereirechte hat sie nicht gepachtet, sie
gehören ihr. Als ich von dem geschmacklichen Fiasko des Vortages im Goldenen Stern erzählte, wurde sie sehr streng. Bachforellen
anders als „blau“ zuzubereiten, sei ein großer Fehler. Der Eigengeschmack des feinen Fisches sei beim Braten sofort
vernichtet. Mich beeindruckte diese Aussage sehr, weil ich sie nicht zum ersten Mal hörte. Siehe Gourmetkoch in
Freiburg/Breisgau. Meinem Wunsch, ein Zimmer zu sehen, wollte Frau Adele nicht nachkommen. Sie wisse nicht, ob sie überhaupt neue Gäste wolle und ob ich ein Fliegenfischer sei. Peng. Da habe ich schon etwas herumgedruckst. Gleichwohl hat das Flaschenbier auf ihrer gemütlichen Terrasse geschmeckt. Aber untendurch bin ich wohl bei ihr, trotz aller Freundlichkeit. In eines der vermutlich mittelalterlichen Zimmer mit dem Charme der 50er Jahre wäre ich sowieso nicht eingezogen, trotz der Chance auf die Nähe der Forellen.

Die Bachforelle vom Vortag  im Goldenen Stern schmeckte muffig. Sie kam nicht aus der Wiesent, sondern aus dem Zuchtbecken an der Aufseß.  Nichts anderes als eine Kloake, wenn der Kot der Tiere nicht abfließt, dachte ich mir.

So musste ich also meine Forelle aus fließendem Wasser selber fangen. 

Meine Lehrmeister, Werner Berens an der Rur, Michael Sanna an der Wiesent

Wiesent II

Damit begannen meine Bachforellenexkursionen mit der Fliegenrute an der Wiesent, Oberfranken.  Wollte nicht mehr auf Zuchtfische aus Teichen angewiesen sein, sondern ihr selbst nachzustellen. Dazu musste ich meine Fertigkeiten als Fliegenfischer auf Vordermann bringen, weil in den meisten Revieren keine anderen Köder erlaubt sind. Am fängigsten bleibt natürlich der Wurm. Der ist aber fast überall verboten. Werner Berens, bekannter Fliegenfischer und Autor, war bereit, mir Privatunterricht an der Rur  (bei Düren) zu geben. Weil ich den Termin für den offiziellen Fliegenfischerkurs verpasst hatte. Wer bei diesen Trainingswürfen als unbeteiligter Zuschauer anwesend ist, wird sich fragen, warum der Werfer die Schnur etliche Male in der Luft vor und hinter seinen Kopf schleudert, bevor er sie ins Wasser lässt. Es geht nicht anders, weil man mit der kleinen Kunstfliege und der dicken Schnur sonst nicht das nötige Wurfgewicht aufbringt.

 

Die Gemeinde Waischenfeld vergibt Angellizenzen an ihre Feriengäste. Ich buchte vom 17.06. bis 23.06. 2013 eine Ferienwohnung bei der Familie Schrüfer in Heroldsberg-Tal, einem Ortsteil von Waischenfeld. Mir  war  klar, mit den bei Werner Berens erlernten Grundkenntnissen allein am Wasser nicht erfolgreich fischen zu können. Dafür würde ich schon einen ortskundigen Fliegenangler als Begleiter benötigen. Ich fand ihn in Michael Sanna, der im Goldenen Stern Muggendorf eine Fliegenfischerschule betreibt. 

Wir trafen uns dort am 18.06. 2013.

Ich bin  im Nachhinein sehr froh,  sein Angebot von 6 Stunden Fischbegleitung angenommen zu haben. Seine Hinweise bezüglich Material, Wurftechnik und Köderführung am Wasser waren außerordentlich hilfreich und haben mich enorm weitergebracht. So gewann ich auch etwas Lockerheit beim Wurf mit abgewinkeltem Wurfarm (nicht an den Körper klemmen). Die von mir angebundene „Maifliege“ tauschte er erst einmal gegen eine andere aus meinem Sortiment Marke Lünzmann aus.

 

http://www.fliegenfischerschule-fraenkische-schweiz.de/

 

Leider hat mir Michael Sanna auch eine große Illusion genommen. Am Ende der Maifliegenzeit seien die Forellen derart fett und vollgefressen, dass sie kein kulinarisches Erlebnis mehr sind. Das klingt plausibel. Schätze, die Maifliegen sehen mich nicht wieder. Vielleicht sind die Forellen im September wieder schlank und hungrig. 

Bei meinen Fangversuchen machte ich nach eigener Einschätzung alles richtig, die Würfe kamen, der Schwung war gut. Werner Berens wäre stolz auf mich gewesen. 

So dachte ich, als mir wieder einmal ein fast perfekter Wurf von der Marke Berens/Sanna gelang (in die Bachmitte, die Schnur liegt, die Fliege legt sich langsam aufs Wasser), eigentlich müsste jetzt schon mal eine stattliche Bachforelle anbeißen.

Sie tat es. Ich sah die roten Punkte. Zunächst machte ich alles richtig. Hielt die Wurfleine fest, holte sie langsam heran und die Rute bog sich durch. Mein Gott, die kämpft ja wie ein Karpfen, dachte ich. Das war ich von einer Forelle absolut nicht gewohnt. Ein Blick auf meinen kurzen Kescher zeigte mir, dass ich wohl damit nicht zurechtkommen würde und ich vermisste nun meinen Riesenkescher mit langem Stiel. Bei der Abwägung, was ich jetzt weiter tun sollte, fiel mir mein Freund Gonzalo (Spitzname Kojote) aus Galizien ein. Er holt seine Forellen mit einem Schwung an Land. (Bei einem Karpfen ist ihm mit dieser Technik in meinem Beisein die Schnur gerissen und er hat den Karpfen als Kojote beschimpft. Von da an hat er Karpfen gekeschert).

Von da ab machte ich nichts mehr richtig. Besser wäre wohl gewesen, die Forelle bis zu deren Müdigkeit auszudrillen, um sie dann in die Nähe des Keschers zu ziehen. Aber da stand noch die Befürchtung, das Tier würde sich abhaken. Hatte ja vorschriftsmäßig den Widerhaken angedrückt. Was Angler für Schikane halten, weil sich ohne Widerhaken gehakte Fische eher befreien. Blöder Naturschutz. Übersteigerte Fischgerechtigkeit. Funktionärsschnapsidee.

 

Also Schwung nehmen und rausziehen nach Gonzalo-Manier.

 

Peng, Fisch und Fliege weg. Vorfach an der Fliege gerissen.

 

Glauben Sie mir, in diesem Moment fühlte ich mich wie ein Lottogewinner, der den Schein nicht abgegeben hat. Meinen Freunden habe ich, nachdem ich die Fassung wieder gewonnen hatte, folgendes E-Mail geschickt:

 

Die Wiesent ist ein schöner Fluss
den man gesehen haben muss.
ich wollte die Forellen keschern
doch sie entkommen allen Häschern
wenn die die falschen Fliegen haben
da braucht man garnicht lange klagen.
Und als die Fliege richtig war
hat sie gebissen. Sonderbar.
Doch ist sie schon ein schlaues Tier
sie hat gekämpft. Und meine Gier
den Kescher endlich voll zu kriegen
dass sich die ganzen Maschen biegen
das war der Fehler, so ein Mist
was so ein dummer Angler ist.
Die Leine ist dann abgerissen
anschließend konnt ich mich ver.....

 

 

Mit meinem Freund Gonzalo (Kojote) habe ich noch ein Wörtchen geredet und gefragt, was er in Galizien für schwächliche Forellchen aus dem Bach schleudert.

Herr Schrüfer hat mir Trost gespendet und mir eine Maifliege geschenkt, die von einer Künstlerin stammt. Das hat mich sehr gerührt. Er hat sie lange Jahre in Ehren gehalten. Es ist nun für mich eine Ehre. Weiß nicht, ob ich ihr würdig bin. Sie ist so schön, dass sie eigentlich zum Angeln zu schade ist. Sie hat jetzt einen Ehrenplatz. Herr Schrüfer, Kunstmaler, ist leider ein paar Wochen später verstorben.

 

 

An der Kyll

Weil es im Mai an der Wiesent nicht wie gewünscht geklappt hat, sind wir im September 2013 an die Kyll in der Eifel gefahren.  Ergebnis: Zwei Bachforellen, je 28 cm im Kescher. Hätte ich sie in Franken gefangen, wäre das in Ordnung gewesen, sie wären in der Pfanne gelandet. Weil in Bayern das Mindestmaß von 28cm gilt. An der Kyll sind es 30 cm. Das musste ich schon genau nehmen. Warum so pingelig? Wer es wissen möchte, kann mich fragen.

Meine erste, selbstgefangene Bachforelle. Aus der Kyll bei Mürlenbach. Leider zu klein für die Pfanne. Und wenn sie nicht gestorben ist, lebt sie noch heute

 

 

Saig  Mai 2014

Das Hotel-Restaurant Ochsen in Saig, Hochschwarzwald, hat seine eigene Fliegenfischerstrecke für Hotelgäste. Traf mich mit Hans-Jürgen Schlecht, der extra aus Schliengen an die Wutach gekommen war. "Unser Hans", gewaschen mit allen Wutach-Wassern, wusste, wo sich unsere Freunde verstecken und holte auch mehrere heraus. Das Angebot, mir die Rute zu übergeben, damit ich den Drill zu Ende führen könne, fand ich nett, habe es aber nicht angenommen. Da hätte ich mich schämen müssen.

Am nächsten Tag ging ich alleine und es wurde ein sehr mystischer Tag, watend im Fluss, umgeben von hohen Bäumen. Kein Himmel. Wie in einer anderen Welt. Peer Gynts Musik habe ich mir dazu eingebildet. Wer von dem Parkplatz an der Brücke in den reißenden Fluss steigt, begibt sich in eine andere Welt. Glitschige Steine, Urwald, kein Weg entlang des Flusses, nicht mal ein Trampelpfad.  Dann wird der Fluss breiter, man befindet sich in einer Art Dom und hört den Wasserfall, der naht. Man selbst schwingend mit der Fliegenrute. Ich habe ganz sicher nichts falsch gemacht, aber gebissen hat an diesem Tag kein Fisch. Wann soll denn überhaupt was beißen? Später wurde mir gesagt, es gäbe solche Tage, aber auch das Gegenteil.

Ich möchte diesen Tag mit diesem archaischen Erlebnis nicht missen. Natürlich stand ich im Funkloch. Marianne im Hotel hatte Sorge, mir sei etwas passiert. Habe zwar  mehrere Male zwischen den glitschigen Steinen im stark strömenden Wasser das Gleichgewicht verloren, beim Plumpsen aber darauf geachtet, nicht mit dem Kopf gegen einen Stein zu fallen. Ungefährlich war es nicht. Eigentlich sollte man an solch einer Stelle nicht alleine fischen.

an der Gutach, an meinem "Angelstück" aber doppelt so breit

 

Wiesent III

Im September 2014 an der Wiesent schrieb ich : " Eigentlich steckt mir noch die Gutach in der Seele und da wird sie auch
bleiben. Dieses Stück Wildnis hatte mich am letzten Tag des Mai 2014 in sich gefangen, körperlich und mental vollkommen inhaliert, mich in eine andere Zeit, eine andere Umgebung versetzt. "

Aber jetzt war ich nicht mehr im Schwarzwald, sondern wieder in Oberfranken. Dort im zweiten Jahr nacheinander. Gerüstet mit den Erfahrungen der Maifliegenzeit 2013. Hatte ein Zimmer an der Hammermühle, direkt am Wasser.

 

An der Wiesent, September 2014                                                                                                                                                                   Bild von Andreas Hartl

Bericht:

Das Wetter hat nach dem Gewitter aufgeklart. Die Wiesent fließt allerdings noch etwas braun. Fische nehme ich wahr, außerhalb der Gewässergrenze springen sie manchmal. Keine Riesen, aber immerhin. Am späten Nachmittag gehe ich langsam zur Brücke, lasse die Schnur treiben und hole sie nach und nach ein. Kurz vor der Brücke, im trüben, langsam fließenden Wasser, dann der Biss. Am Kampfverhalten erkenne ich, der Fisch hat wahrscheinlich nicht das Mindestmaß. Ich kann ihn ohne Kescher über das Geländer heben. Die Bachforelle hat auf die Goldkopf-Nymphe gebissen.  Ich setze sie sorgsam zurück und beende den Angeltag. Er hat mich 3 Nymphen gekostet. Gehakt von Büschen am Ufer.

Am nächsten Tag fange ich eine Regenbogenforelle und lasse sie mir im Ort zubereiten. Schmeckte matschig, hatte wohl zuviel  von Anglern eingeworfene Brötchenkrumen gefressen.

 

Ich werde nun ziemlich sicher nicht mehr an die Wiesent fahren. Es ist auch eine gewisse Ernüchterung eingekehrt. Man muss wissen,  die Fliegenfischangelei ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor der Gemeine Waischenfeldt. Die Bachforellen werden jährlich tonnenweise von Sportanglern abgefischt und von der Gemeinde neu aus der Zucht eingesetzt. Das ist nicht das, was ich mir unter naturgemäßem Sportfischen vorstelle. Aber da bin ich vermutlich ein aussterbender Idealist. Oder das Gewässer, das ich suche, gibt es nicht.

An der Wolf

Mai 2015.

 

Als Marianne zur Jahreswende den Wunsch äußerte, wieder in die Ortenau zu fahren, hatte ich gerade das Fliegenfischer-Magazin aufgeschlagen.  Annonciert hatte auch der Ochsenwirtshof in Bad Rippoldsau-Schapbach. Mit dem Hinweis, Hausgäste könnten Bachforellen angeln. Schwuppdiwupp hatte ich  gebucht.

Als wir den Ochsenwirtshof betraten, kamen wir an den ausgehängten Speisekarten vorbei. Fasziniert blieb mein Blick sofort
hängen, da stand tatsächlich „Bachforelle“ drauf. Damit hatte ich eigentlich nicht gerechnet. Wenn die Bachforelle schon auf der Speisekarte steht, muss es die ja hier im Übermaß in der Wolf geben. Dachte ich und bekam einen kräftigen Adrenalinstoß.

Ich muss zugeben, für einen Moment habe ich der Speisekarte am Ochsenwirtshof geglaubt. Weil ich es glauben wollte. Das änderte sich, als mir die Inhaberin, Frau Armbruster-Reisch mitteilte, es könne nicht sein, was ich da gelesen hätte. Bis sie sich persönlich davon überzeugte. Der Koch hatte seine eigene Chefin bloß gestellt. Dumm und dreist, dachte ich, wie in Bühl.


Das Gewässer des Ochsenwirtshofs geht links vom Haus bis zur nächsten Brücke, ca. 50m und rechts bis zur Landkreisgrenze, wo die Ortenau beginnt. Entnahmen sind nicht gestattet. Es gilt „Cash and Release“ teilte mir die Chefin mit. Aber wenn ich mir eine Forelle vom Koch zubereiten lassen wolle, solle ich sie mitbringen. Dagegen hatte ich nichts einzuwenden. Das Fischen ist nur
Hausgästen erlaubt, es ist kostenfrei. Ansonsten halte ich "Cash and Release" für abartig, weil das Tier zum Objekt gemacht wird.

Als ich am Abend selbstverständlich die „Bachforelle blau“ bestellte, ist der Eklat dadurch vermieden worden, dass mir die Chefin die vom Koch soeben gekeulte Forelle zur Inaugenscheinnahme an den Tisch brachte. Was eine weise, von mir nicht geforderte Entscheidung war. Es war natürlich ein wunderschöner Regenbogner. Ich habe sie nicht genommen und den Koch im
Geiste zu zehn Liegestützen verurteilt. Frau Armbruster-Reisch hat sie sich dann selbst zubereiten lassen. Weil ich den Koch als Verursacher der Speisekarten-Täuschung identifiziert glaubte, hätte ich ihr gerne empfohlen, diesem die Gräten in die Ohren zu stopfen. Solches spielt sich natürlich nur in meinem Hirn ab, ansonsten bin ich ein verträglicher, älterer Typ.

 

Frau Armbruster-Reisch hat das keine Ruhe gelassen. In meinem Beisein hat sie den Lieferanten der Forellen angerufen. In feinstem Schwarzwälder Dialekt, Musik für meine Ohren. Der natürlich nur Regenbogner ins Restaurant geliefert hat, aber auch
die Bachforellen-Setzlinge, die jedes Jahr im Mai in die Wolf eingesetzt werden. Den Hinweis von Frau Armbruster-Reisch, dass ihr Gast gerne Bachforellen essen würde, beantwortete er mit der Frage, ob dieser nicht angeln gehen würde. Geneigter Leser, ich hatte leider keine Gelegenheit, ihm selbst die passende Antwort zu geben.  Habe es aber als Hinweis interpretiert, in der Wolf würde es von großen Bachforellen nur so wimmeln. Dem war aber nicht so.  Der wahre Grund ist für mich  unberechtigte Fischentnahme. Es wird gewildert und ich erkannte Anzeichen, dass die Anrainer beteiligt sind. Fliegenfischer scheinen die Wilderer nicht zu sein. Sonst hätte ich nicht die Reste eines Schwimmers am Bachrand gesehen. Ein zweiter hing über eine Starkstromleitung. Ein dritter über einem Kabel. Wie der Werfer es geschafft hat, so weit nach oben zu kommen, erweckt schon etwas Staunen. Dass er das überlebt hat, auch. Ich habe jedenfalls keine Wasserleiche gesehen. Vermutlich haben Wilderer die  Forellen mit einem Wurm am Haken gelockt, da beißen die kleinen und großen Räuber ganz schnell. So kann man natürlich ein Gewässer schnell leeren. Waidgerecht ist das nicht, aber darauf kommt es den Kleinverbrechern auch nicht an.

 

In Flussmitte von einem Wilderer in der Wolf zurückgelassene Bachforelle, die an der abgerissenen Schnur hängt

 

Da, wo sich das Wasser vor dem Wehr staute, war es lebensgefährlich, zu angeln. Wer die schräge Ebene ins Wasser hinunterrutscht, kommt dort nicht mehr heraus.

Also ging ich vor das Wehr und bin prompt auf den glitschigen Steinen ausgerutscht. Alle Bachforellen bogen sich vor Lachen, beißen wollten sie nicht. Dagegen konnte ich zähneknirschend nichts tun. Ging ich halt hundert Meter weiter und drehte meine Fliegenrute in der Luft. Junge Frauen winkten mir beim Vorbeifahren mit dem Rad freundlich zu, für sie war der Angler an der Wolf ein folkloristisches Ereignis.  Und ich fühlte mich richtig gut.

An der Tauber

 

Weil ich seit einigen Jahren Mitglied beim Sportfischerverein Bad Windsheim bin, darf ich auch an der Tauber fischen.

Bachforellen sollen auf Bad Windsheimer Gebiet auch in der Aisch und dem Nebenfluss Rannach sein. Eher ein Alibi für den nicht mehr genehmigten Einsatz von Regenbogenforellen. Aisch und Rannach sind allerdings keine guten Gewässer für Bachforellen. Da fehlt das reißende, spritzige Element. Die Aisch fließt träge, sie ist ein Karpfengewässer.

Das für mich zugelassene Tauberstück fließt in Baden Württemberg. direkt an der Grenze zu Mittelfranken. Ich gehe immer mit dem besten und raffiniertesten Fischer der Welt dahin. Es ist mein Cousin Werner Zoubek aus Nürnberg. Wenn Werner keine Forellen fängt, sind keine da.

 

Zubereiten lassen wir uns die gefangenen Bachforellen von Lars Zwick im Landhaus zum Falken in Tauberzell. Kleiner Scherz: Es ist schon wichtig, dass das Landhaus in Mittelfranken liegt. Die Forellen sind nämlich aus Richtung Rothenburg ob der Tauber gekommen und haben sich in Franken genährt, bevor sie ins nachbarliche Schwaben geschwommen sind. Da mögen wir keine nichtfränkische Petersilie an dem Fisch,

Leider ist es so, dass wir von Jahr zu Jahr immer weniger Bachforellen fangen. Lohnt sich eigentlich nicht mehr, dort fischen zu gehen. Das schreiben wir der Fischwilderei zu. Schwabenstreiche, wie an der Wolf im Schwarzwald. Jungvolk aus Archshofen hat sich schon damit gebrüstet. Uns wurden auch ganz hinterhältige Fangmethoden von einem Landwirt mitgeteilt, der dort mäht und es gesehen hat. Ehrliche Franken wildern nicht.

Das hat zur Folge, dass unter anderem mangels  vorhandener Fische der Sportfischerverein Bad Windsheim die Köderwahl eingeschränkt hat, die vorher total freizügig war. Damit noch weniger gefangen wird.

An der Holdermühle, wo die Landesgrenze das Anwesen durchschneidet, steht das hier abgebildete Schild:

 

 

 

 

Also, Ihr schwäbisches Fischdiebgesindel, wir kommen dann mal herüber, wenn Ihr glaubt, wir sehen Euch nicht.

In früheren Jahrhunderten hätte dies eine kriegerische Auseinandersetzung zwischen Alemannen und Franken zur Folge gehabt. Heute jagen wir Euch nur a bisserla durch die Tauber.