Bier für Moskau

In der Süddeutschen Zeitung lese ich gerade, dass Bayerisches Bier nun auch direkt in Moskau gebraut wird.

Franziskaner, Löwenbräu und Spaten.

Entschuldigung, Bier, das nicht in Bayern gebraut wird, ist kein Bayerisches Bier mehr. Da kann zehn mal der Markenname drauf stehen.

Für mich eher ein Hinweis, dieses Bier überhaupt nicht mehr zu kaufen. Will mich ja nicht der Gefahr aussetzen, Bier aus Moskau in meinen Krug zu schütten.

Pfui Teifi.

Anheuser-Busch Inbev ist der Eigentümer der Brauereien. Vor allem aber bricht der weltweit führende Bierkonzern damit sein Versprechen aus dem Frühjahr, sich vom russischen Markt zurückzuziehen.

Originaltext SZ: 

Um zu zeigen, dass die Qualität des vor Ort produzierten Biers dem deutschen in nichts nachsteht, gab der Hersteller laut der russischen Nachrichtenagentur Interfax eigens Tests bei der Technischen Universität München (TU) in Auftrag. Ein Sprecher der Universität sagte, zu Kunden würde sich die TU grundsätzlich nicht äußern.

In der Ukraine riefen Kritiker dazu auf, Biere des belgisch-brasilianischen Konzerns zu boykottieren. Mehrere deutsche Brauer reagierten entsetzt über die Entscheidung von AB Inbev. Jene, die kein Blatt vor den Mund nehmen, bezeichnen das Unternehmen als "Boykottbrecher" und "Kriegsgewinnler". Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine im Februar hatten die Brauereien Radeberger, Bitburger, Veltins, Warsteiner und Krombacher angekündigt, Russland zu boykottieren und den Export ihrer Biere einzustellen. Bei der Münchner Paulaner-Brauerei-Gruppe hieß es auf Anfrage, der Export von Paulaner Bier nach Russland sei gestoppt. Die Paulaner Bräuhäuser in Russland würden von selbständigen Franchisenehmern geführt, auch hier sei vonseiten der Paulaner Brauerei-Gruppe der Support beendet worden. "AB Inbev nutzt seine Marktmacht, um in die Lücke zu stoßen, die nach unserem Rückzug entstanden ist", kritisiert ein Brancheninsider.

 

Dem Bierkonzern gehören  auch internationale Marken wie Budweiser, Corona Extra oder Stella Artois. In Deutschland besitzt AB Inbev außerdem Beck's, Diebels, Hasseröder und Löwenbräu.

 

All diese Marken werde ich ab sofort boykottieren. Sie kommen nun auf meine persönliche schwarze Liste.

 

Eigentlich weniger aus politischen Gründen, eher weil ich mich bei Produkten, die ich kaufe, nicht gerne - ich sage es in Deutsch - verarschen lasse. Davon abgesehen, kaufe ich mein Bier sowieso bei einem 

Brauerdemichvertraue

 

Da fällt mir ein, wie ich als Kind von meinem Vater zum Bierholen geschickt worden bin. Mit einem leeren Maßkrug zur nächsten Wirtschaft. Damals gab es noch kein Flaschenbier. Aber Lagerbier der örtlichen Brauerei. Auf dem Rückweg habe ich mir dann einen kleinen Schluck aus dem Krug gegönnt, Vater hat nichts dazu gesagt. So bin ich denn Alkoholiker geworden. Die Wirtschaften sowie die Brauerei existieren heute nicht mehr.

 

Aber alles kein Grund, unseriöse Geschäftspraktiken zu unterstützen, indem man direkt oder indirekt Kunde dieser Konzerne wird. Sie werden es verkraften. Wenn jeder Biertrinker so denken und handeln würde, wie ich, eher nicht. Sollen sie doch nach Moskau umziehen. Stelle mir gerade auch vor, was ich mit dieser Information machen würde, wenn ich Politiker in Bayern wäre. Der liebe Gott hat das aber nicht gewollt.

 

Noch eine kleine Anekdote: 

Im Bad Windsheimer Ortsteil Unterntief gingen wir gerne zum Lichteneber in die Jägerruh. Tranken dort auch Bier. Und ich war positiv berührt, festzustellen, dass Helmut Lichteneber mein Leib- und Magenbier aus Kulmbach auf den Tisch stellte. Er ist nun leider auch schon tot. Die Jägerruh hat auch keinen Nachfolger. 

 

Wirklich ein Grund, etwas traurig zu werden. Aber kein Grund, Anheuser-Busch zu trinken. Noch nicht mal irgendwo anders auf der Welt. Aber stellen Sie sich vor, Sie sitzen irgendwo auf dem Globus und freuen sich, auch dort ein Löwenbräu trinken zu können und dann kommt ein bayerisches Export-Bier, importiert aus Moskau. Da dreht sich mir der Magen gleich dreimal um.

 

Heinz Elflein

26.08.2022